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Kulturerbe ist Gemeinschaftssache

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Gemeinsam mit dem vai Vorarlberger Architektur Institut lud das Stadtmuseum Dornbirn am 11.6.2026 zum Besuch im Schlossguggerhaus in Dornbirn ein. Eigentümer Stefan Grabher führte durch den Nachmittag und erklärte, was passiert, wenn man anfängt, dem Gebäude zuzuhören.

Warum kauft man so ein Haus?

Stefan Grabher war schon als kleiner Bub von alten, rätselhaften Gemäuern begeistert. Dieses Interesse weckte damals sein Opa, der ihm 1987 ein Buch über Burgen schenkte, auf welches viele Exkursionen folgten. Als er viele Jahre später das Schlossguggerhaus an der Pinnwand der Sparkasse erkannte, war für ihn innerhalb weniger Momente klar: „Diese Geschichte muss erhalten werden!“ Gemeinsam mit Günter Haid verwirklichte er schließlich diesen Traum und erwirbt 2012 das Schlossguggerhaus.

Eine ganze Zeit lang schwieg das Haus, denn 30 Jahre lang stand es leer. Frau Maschek, die 40 Jahre lang im Besitz des Hauses war, hatte es allerdings gut erhalten. Als Raimund Rhomberg und Klaus Pfeifer das Haus ganz genau unter die Lupe nehmen, machen sie einen hochinteressanten Fund. Das Haus ist tatsächlich 200 Jahre älter als zuvor vermutet und damit das älteste bekannte Haus in Dornbirn aus dem Jahr 1294. „Wenn das Haus sprechen könnte, würde es uns wahrscheinlich von der Pest erzählen, vom Mittelalter, vom Handeln mit dem Bregenzerwald“, erklärt Petra Zudrell vom Stadtmuseum Dornbirn. Das Haus auch heute wieder zum Sprechen zu bringen ist Stefan Grabher ein besonderes Anliegen. Forschungsprojekte sind deshalb nie beendet, sondern ein fortlaufender Prozess. Derzeit wird zum Beispiel daran geforscht, woher das Baumaterial stammt – das macht eine Analyse der einzelnen Putzschichten möglich.

 Auch Kinder möchte er für den Wert geschichtlicher Bauwerke begeistern. Denn Stefan ist davon überzeugt: „Wer sich dafür begeistern kann, hat auch ein Interesse daran, Kulturerbe zu erhalten“. Bereits 400 Kinder hat Stefan Grabher die Geschichte des Hauses nähergebracht.

Gemeinsam zum Leben erweckt

Ein weiteres, spannendes Projekt ist der Weinanbau am Schlossguggerhaus – vermutlich das erste Mal in dieser Menge seit 100 Jahren. Schon früher wurde hier Wein angebaut, das Ende des Vorarlberger Weinanbaus markierte die Arlbergbahn. Gemeinsam mit Kellermeister Harry König entwickelten die beiden ein innovatives Weinkonzept aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, die weniger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln benötigen. Angebaut wird biologisch, denn hier bleibt Stefan seinem Anspruch ökologisch und zugleich innovativ zu wirtschaften treu – ähnlich wie auch beim Einsatz von Bio-Baumwolle für seine Textilmarke Mary Rose.

Schulkinder, die für den Schlossgugger-Orden zeichnen, Geologen, Historiker:innen, Weinbauern, Archivare, Besucher:innen von öffentlichen Führungen – all diese Menschen hauchen dem Gebäude wieder Leben ein. Kulturelles Erbe nicht verwalten lassen, sondern gemeinsam zu gestalten hat für Stefan Grabher im weitesten Sinne etwas „punk-ähnliches“ und ist seine persönliche Herzensangelegenheit. „Ohne dieses Haus hätte ich viele Leute wahrscheinlich nie kennengelernt“, meint Stefan Grabher, „dieser Kontakt und Austausch ist für mich der größte Gewinn.“ Wichtig ist ihm zu betonen, dass nur die Zusammenarbeit mit anderen dieses Wiederbeleben überhaupt erst möglich mache.

Wenn Sie selbst einmal einen Blick ins Schlossguggerhaus möchten, dann besuchen Sie uns am 27. September 2026 zwischen 10:00 und 18:00 Uhr – Anmeldung ist keine nötig. Am Tag des Denkmals haben Sie die Möglichkeit, selbst in die spannende Geschichte des Hauses einzutauchen!